Die älteste Urkunde im Staatsarchiv Zürich

Bild der ältesten Urkunde im Staatsarchiv
Die älteste der ungefähr 52'000 Urkunden des Zürcher Staatsarchivs ist auf ein Pergament von 42 x 72 cm Grösse geschrieben (StAZH C II 2, Nr. 1).

Der Kanton Zürich verdankt die älteste Zürcher Rechtsurkunde keinem Geringeren als einem der Enkel Karls des Grossen, Ludwig dem «Deutschen», dem König des östlichen Teils des Kaiserreiches und des späteren ostfränkischen Königreichs.

Mit der im Staatsarchiv des Kantons Zürich aufbewahrten Urkunde stiftete Ludwig der Deutsche am 21. Juli 853 in Regensburg ein Frauenkloster, «gelegen im Ort Zürich, dort, wo die Märtyrer Felix und Regula ruhen». Gleichzeitig beurkundete er die Ausstattung dieses «Fraumünsters» mit dem Königshof (etwa dem Gebiet der heutigen St. Peterhofstatt), weiterem königlichem Besitz im damaligen «Zürich» sowie «mit den königlichen Gütern im Tal Uri und dem Albisforst».

Der ganze Komplex wurde der Tochter Hildegard vermacht, der ersten Äbtissin des Fraumünsters. Ludwig legte auch die Regel fest, nach der die adligen Klosterfrauen leben sollten: die Benediktsregel. Sehr wichtig für das Kloster und die später entstehende Stadt Zürich war der ebenfalls in der Urkunde verbriefte Schutz durch den König sowie die Immunität - was bedeutete, dass das Kloster rechtlich direkt dem König unterstellt war! Infolge dieser Urkunde wurde Zürich faktisch ein Zentrum von Südschwaben und eine Königsstadt.

Die Urkunde ist mit einem schönen Wachssiegel mit antikem Kaiserkopf beglaubigt. Der Kaiserkopf wiederum wird vom Text «Christus möge König Ludwig schützen» umrahmt. Vom Jahr 853 in Regensburg an der Donau bis in ihr säurefreies Behältnis im Staatsarchiv Zürich führte ein langer und für das Dokument oft gefährlicher Weg. Aber vielleicht bot die Mahnung am Ende der Urkunde Schutz, wo es heisst: «diligentius conservetur», sie solle sorgfältiger aufbewahrt werden als anderes. Gut 650 Jahre lang gehörte die Urkunde der Fraumünsterabtei, nämlich bis zur Verstaatlichung und Aufhebung der Klöster 1525 in der Reformation. Einem Verzeichnis des Staatsarchivs (damals noch Archiv der Stadtschreiberei) von 1717 gemäss lagen «in einer der Trucke(n) der Sakristei des Fraumünsters allerley Latinisch Brieff von Kaiseren, Königen ... Hiernieder ist auch die Dotation des Landts Uri von König Ludwign von 853». Endgültig zum «Staatsschatz» des Kantons geschlagen wurde die Urkunde 1803, als die Güter zwischen Stadt und Kanton Zürich voneinander geschieden wurden. Seither zog die Urkunde noch drei Mal mit dem Staatsarchiv um: 1903 vom Fraumünster ins Obmannamt beim heutigen Obergericht, darauf im Jahr 1919 in die Predigerkirche und von dort 1982 schliesslich in den Archivneubau im Irchelpark.

Signatur: StAZH C II 2, Nr. 1