Editionsprojekte

Elektronische Edition der Zürcher Stillstandsprotokolle des 17. Jahrhunderts (Projekt eStPZH)

Titelseite des Stillstandsprotokolls von Maschwanden 1670-1707
Titelblatt des Stillstandsprotokolls von Maschwanden 1670-1707 (StAZH, E III 73.2)

Das Projekt ging auf die Initiative des freischaffenden Historikers Beat Frei zurück. Es hatte zum Ziel, die mehrheitlich dezentral in den Archiven der evangelisch-reformierten Kirchgemeinden des Kantons Zürich aufbewahrten Stillstandsprotokolle im Volltext online zugänglich zu machen, zusammen mit digitalisierten Schwarz-Weiss-Mikrofilmaufnahmen der Originale. Zeitlich beschränkt sich die Edition auf die frühesten Protokolle aus dem 17. Jahrhundert, die aus insgesamt 35 Kirchgemeinden überliefert sind.

Die Zürcher Stillstandsprotokolle dokumentieren die Tätigkeit der ältesten Aufsichtsbehörde der reformierten Kirchgemeinden, des sogenannten Stillstands. Das Gremium ist so benannt, weil es nach dem Gottesdienst in der Kirche wortwörtlich «stillstand», also stehenblieb, um monatlich seine Geschäfte unter dem Vorsitz des Pfarrers zu beraten. Der Stillstand rekrutierte sich - neben dem Pfarrer - aus ex officio in das Gremium bestellten Inhabern weltlicher Ämter der Gemeinde sowie aus den von der Gemeinde gewählten Ehegaumern. Er war zugleich Kirchen-, Schul-, Armen- und Vormundschaftsbehörde, aber auch Sittengericht – und übernahm an einigen Orten sogar Funktionen der politischen Gemeindebehörden. Nach 1798 wurden seine Aufgabenbereiche auf rein kirchliche Angelegenheiten beschränkt und das Gremium später durch die heutigen Kirchenpflegen ersetzt.

Entsprechend den vielfältigen Aufgaben des Stillstands dokumentieren die vom jeweiligen Pfarrer verfassten Protokolle die ganze Bandbreite des Alltags und des Zusammenlebens der Menschen im Gebiet des damaligen Stadtstaats Zürich. Trotz diesem hohen Quellenwert blieben die Zürcher Stillstandsprotokolle lange weitgehend unerforscht, nicht zuletzt, weil es sich häufig um eher flüchtige, schwer lesbare Notizen in der individuellen Handschrift des Pfarrers handelt.

Für das auf vier Jahre angelegte Projekt bewilligte der Regierungsrat am 14. April 2010 auf Antrag der Evangelisch-reformierten Landeskirche, vertreten durch den damaligen Kirchenratspräsidenten Ruedi Reich (1945-2012), einen Beitrag von 300‘000 Franken aus dem Lotteriefonds.

Die Online-Publikation der von Beat Frei als externem Mitarbeiter transkribierten Stillstandsprotokolle erfolgt auf der Archivdatenbank des Staatsarchivs, indem den Kirchgemeindearchiven, analog zur Elektronischen Publikation der Zürcher Ehedaten des 16.–18. Jahrhunderts und zur Elektronischen Rechtsquellen-Edition Zürich, in der Hauptabteilung Sammlungen im Fonds Turicensia in anderen Institutionen (TAI) vorläufig ein «Gastrecht» eingeräumt wurde. Einige wenige Protokolle befinden sich zudem in den eigenen Beständen des Staatsarchivs (E II 457, E III 73.2, E III 148.7).

Publiziert wurden die Protokolle ab 2011 in halbjährlichen Tranchen. Seit Ende 2015 steht das gesamte Textkorpus, bestehend aus über 900 Jahresprotokollen sowie Vorreden, normativen Texten (Stillstandsordnungen, Eide der Ehegaumer) und (im Fall von Birmensdorf) Listen der verlesenen Mandate, online zur Verfügung.